Hintergrundinformation zum Titel

Das der gesamten Reihe den Namen gebende tibetische Wort Tragtung bedeutet wörtlich Bluttrinker, hat trotz des martialischen Klangs aber nichts mit Vampiren oder dergleichen zu tun, sondern bezeichnet im Vajrayana-Buddhismus die zornvolle Variante eines Buddhas. Zornvoll beschreibt in dieser speziellen Verwendung nicht die uns aus dem Alltag bekannte, auf Ablehnung beruhende Form von Aggression – also etwas zutiefst Unheilsames –, sondern im Gegenteil eine in Erwachen gründende, besonders machtvolle Ausprägung von Mitgefühl, die zu helfen vermag, wo nach außen getragene Sanftmut aufgrund zu starker Verblendungen des Übenden nichts bewirkt.

Ein Tragtung zu werden, ist das erklärte Ziel des Protagonisten – daher der Titel. Da es sich bei einem Bluttrinker um eine bloße Vorstellung handelt, deren symbolbeladene bildliche Darstellung völlig Anderes zeigt, als man auf den ersten Blick zu sehen meint, bedeutet, ein solcher werden zu wollen, keinesfalls, danach zu

streben, eine Art Dämon zu werden. Vielmehr geht es darum, Erwachen zu erlangen. Dies versucht man mit Hilfe bestimmter meditativer Techniken, die dazu dienen, eigene schwere Hindernisse auf dem Weg dorthin zu überwinden, indem man die hinter der beängstigend erscheinenden Fassade des Tragtungs verborgenen heilsamen Eigenschaften und Verhaltensweisen erkennt und sich in einem zweiten Schritt zu eigen macht.

Im ersten Band der Tragtung-Reihe erklärt Düsum Khyenpa zu dieser Methode: »Eine Illusion ist nur so lange etwas Gefährliches, wie wir sie für Realität erachten. Sobald wir den illusionären Charakter dessen, was wir gemeinhin für die Wirklichkeit des Seins halten, erkannt haben, versetzt uns das in die Lage, Vorstellungen vollkommen bewusst und gezielt für ein Vorankommen auf dem zum Erwachen führenden Pfad einzusetzen.«

TRAGTUNG – ein Mandala aus Illusionen zum Verständnis von Realität